Gagarin's Gaze  
Zerrissener Iran
Jugendliche Lebenswelten in der Islamischen Republik

Iran/Deutschland 2003
Produktion: KorfmannPreuss
Ko-Produktion: Cine plus
TV-Ausstrahlungen: ZDF-Dokukanal,
gek. Fassung: ORF 2, Phoenix.
Länge: 53 Min.
Format: DV Cam 4:3
Orginalsprachen: Farsi, Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch

Filmtrailer
mpg-Datei (4,8 MB)


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Buch: Jakob Preuss
Kamera: Felix Korfmann
Schnitt: Klara Mottlova
Musik: Marc Klemens
Tonmischung: Mike Koloska
   

Ein Drittel der iranischen Bevölkerung ist jünger als 14 Jahre und über 70% sind unter 30. Irans Nachrevolutionsgeneration rebelliert mehr und mehr gegen starre staatliche Strukturen, während das Land weiterhin zwischen traditionellem Islam und westlichen Werten oszilliert.

Im Westen kennt man das Land weiterhin wenig. Seit der Revolution ist die Berichterstattung über Iran weitgehend negativ. Ayatollah Khomeinei, Revolutionsgarden, die Fatwa gegen Salman Rushdie, die Besetzung der Iranischen Botschaft in London 1980, der Irak-Iranische Krieg, ein von Russland unterstütztes Atomprogramm mit unklarem Verwendungsziel, das Verbrennen von USA-Fahnen mit Davidstern von aufgebrachten Demonstranten in den Straßen und ein staatlicher Auftragsmord von Oppositionsführern in Berlin 1992 (Mykonos) – das sind die Ereignisse, die die westliche Wahrnehmung geprägt haben.

Vor diesem Hintergrund bietet „Zerrissener Iran – Jugendliche Lebenswelten in der Islamischen Republik“ einige überraschende Einblicke in ein eher rätselhaftes Land. Während Wandgemälde der Regierung in den Straßen immer noch „Down with the USA“ als Losung verkünden, sind die Jugendlichen eher damit beschäftigt, für freies Inlineskaten in den Straßen Teherans zu kämpfen. Studentinnen chatten über das Internet und beraten sich gegenseitig, wie man Ärmel kürzen und das Kopftuch modisch tragen kann, ohne die Aufmerksamkeit der „Herosaths“ (der Sittenpolizei in öffentlichen Gebäuden) zu erregen.


Von schicken coffee-shops, über bescheidene Vorstadthäuser zu Koranschulen

Bei unserer Reise durch das soziale Spektrum Irans, verweilen wir zuerst in der „high society“ von Teheran, die einen ausdrücklich westlichen Lebensstil lebt. Am anderen Ende der Stadt sind wir bei einer Familienfeier im Innenhof eines bescheidenen einstöckigen Vorortbaus dabei. In Qom, der religiösen Hauptstadt des Landes, begleiten wir zwei Koranschüler durch ihren Alltag.

Wenn die Kamera den beiden Talebs (Koranschüler) durch die Gänge ihrer Schule folgt, bekommen wir einen seltenen Einblick in die älteste Koranschule der heiligen Stadt Qom. Auch begleiten wir einen der Religionsstudenten, der nach der kampfeslüsternen Predigt des Freitagsgebets ins Schwimmbad geht.

Wenn sein Freund, der junge Mullah Seyed behauptet, dass die westliche Gesellschaft auf Ungerechtigkeit aufgebaut sei, und dass es nur normal sei, dass diejenigen, die dies verstünden, sich zum Islam bekehrten, ist es schwierig nicht ein wenig Sympathie für den Redner zu empfinden, auch wenn der heutige junge Student morgen ein besonders überzeugter Verfechter des Regimes sein kann.

Allerdings kann man auch mit Dorna mitfühlen, die aus einer eher weltlichen Familie kommend, sich über Kleiderordnung und Geschlechtertrennung in der Universität beschwert. Ebenso mit Zoreh, dem jungen Mädchen aus Süd-Teheran, die kämpfen muss, um ihren Vater zu überzeugen, sich für einen Platz an der Universitätsplatz bewerben zu dürfen. Was sie als persönliche Meinung über Geschlechtertrennung vor der Kamera sagen soll oder darf, verunsichert sie sichtbar